Viele Menschen gehen gern in die Berge, um dem Alltag zu entfliehen. Dem Alltag in einer Stadt, im Gedränge, im hektischen Beruf. So mancher oder manche findet schöne Orte und wünscht sich, an solch ruhigen und entspannenden Orten in den Bergen zu leben.
Manche Menschen möchten aber auch hoch hinaus – eher im übertragenen Sinne: Der eine will der beste Sportler sein (der zweitbeste – selbst auf weltweitem Niveau – ist schon der erste Verlierer), andere begehren Reichtum und Macht; wiederum andere wollen sich in der Kunst einen Namen machen.
Dieser Ehrgeiz nach oben hat schon eine lange Geschichte. Seit der Mensch mit der Sünde infiziert ist, ist ihm das eigene Ego wichtiger als sein Nächster – und als seine Beziehung zu seinem Schöpfer. Gott hat uns Erfindungsreichtum und Kreativität gegeben, die wir intensiv nutzen. Und: er hat in frühen Zeiten die Menschen beauftragt, sich über die Erde zu verteilen und sie zu bebauen und zu bewahren.
Doch bald wollten sie (alle?) ihre Fertigkeiten nutzen, um Gottes Auftrag zu widerstreben: Sie beschlossen Ziegel herzustellen und einen Turm zu bauen, der „bis an die Spitze des Himmels reiche, dass wir uns einen Namen machen! Denn wir werden sonst zerstreut in alle Länder.“ (1. Mose 11, Verse 3 und 4).
Das heißt, die Menschen wollten berühmt werden und sahen einen wichtigen Sinn darin, gegen Gottes Wunsch zu handeln, der anfangs lautete: „Seid fruchtbar und vermehrt euch! Füllt die Erde und macht sie euch untertan! Herrscht über die Fische im Meer, über die Vögel am Himmel und über alle Tiere, die auf der Erde leben!“ (1. Mose 1, 28)
Gott weiß, was gut für seine Geschöpfe ist und was ihnen gut tut: In Städten herrschen mehr Stress, mehr Entfremdung von der Natur, mehr soziale Spannungen, mehr Gewinnsucht, um nur einiges aufzuzählen. Viele Menschen sehnen sich zurück zur Natur. Auch die physische Arbeit in der Natur ist ein Segen für den Menschen, der Bewegung und frische Luft braucht.
Der „Overtourism“ an vielen schönen Orten der Welt, zeigt m.E. auch, dass wir Menschen schöne und ruhige Orte brauchen und suchen. (Nebenbei: Jesus, der sündlose Sohn Gottes suchte regelmäßig einsame Orte auf, um im Gebet zu seinem Vater zu kommen und sich von diesem für seinen kräftezehrenden Auftrag stärken zu lassen – wie es auch wir tun können…)
Zurück zu den Turmbauern: Sie wollten hoch hinaus – bis an die Spitze des Himmels… und haben Gottes Höhe nicht einmal ansatzweise erreicht.
Doch Gott sprach: „Los! Steigen wir hinunter und verwirren ihre Sprache, dass keiner mehr den anderen versteht!“ – So hoch die Turmbauer aus eigener Kraft auch gelangten, Gott musste immer noch zu ihnen hinuntersteigen. – Gott hat Humor.
Auch das mit dem „Sich-einen-Namen-Machen“ ging damit in die Hose: Gott verwirrte ihre Sprache und vereitelte auf friedliche Weise ihr Turmprojekt und ihre Anmaßung, sich (gemeinsam) Gott gleichzumachen.
„Bis heute wird eifrig und zielstrebig an Türmen im übertragenen Sinn gebaut. Immer wieder zeigen Machthaber ihre modernsten Waffen. Unsummen werden in die Rüstung gesteckt, um sich einen Namen zu machen und Überlegenheit zu demonstrieren. Dazu zählt auch die ganze Raumfahrt. Während weltweit Milliarden von Menschen unter der Armutsgrenze leben, werden Unsummen hinter Mars und Mond geschossen.
Aber auch wir selbst müssen uns fragen lassen: An welchem Turm baust du gerade? Was alle Türme verbindet: Sie behindern die Sicht auf Gott. Unsere Gedanken kreisen zuerst um sie. Diese Gefahr sollte keiner unterschätzen.“
(Die letzen beiden Abschnitte stammen von Wilfried Krause, erschienen im Andachtsbuch 2024 des Adventverlags, Andacht vom 19. April 2024)